Mein Artikel im Stachel

Stachel: "Dramatischer Anstieg rechter Gewalt"

ReachOut hat in Berlin im Jahr 2015 insgesamt 320 rechtsextreme Angriffe dokumentiert

 

Es ist morgens gegen 4.50 Uhr. Zwei Männer beleidigen am U-Bahnhof Schlesisches Tor einen auf einer Bank sitzenden Geflüchteten rassistisch. Als der Geflüchtete aufstehen will, schlagen
die beiden Männer ihn zu Boden und treten weiter auf den bereits am Boden liegenden Mann ein. Dieser Angriff ereignete sich am 2. September 2015 und ist nur ein schreckliches Beispiel vieler Fälle, die von der Registerstelle Friedrichshain-Kreuzberg im letzten Jahr dokumentiert
wurden. Die Registerstellen erfassen und veröffentlichen rassistische, antisemitische, LGBTIQ feindliche, antiziganistische, rechtsextreme, rechtspopulistische und andere diskriminierende Vorfälle in den Berliner Bezirken – darunter zählen neben Angriffen auch Schmierereien, Pöbeleien und Sachbeschädigungen. Insgesamt wurden in Friedrichshain-Kreuzberg 92 Vorfälle dokumentiert. Unter den Vorfällen wurden 29 gewalttätige Angriffe erfasst – damit stiegen die
Gewaltdelikte nach einem Rückgang im letzten Jahr wieder an. Das Ausmaß rechtsextremer und rassistischer Gewalt sowie antisemitischer Vorfälle in Berlin ist erschreckend hoch und hat ein dramatisches Niveau erreicht. Die Opferberatungsstelle ReachOut hat in Berlin im Jahr 2015 insgesamt 320 rechtsextrem, rassistisch, antisemitisch oder homophob motivierte Angriffe dokumentiert. Das sind 141 mehr als im Jahr 2014 und damit ein massiver Anstieg von fast 80 Prozent. Das häufigste Tatmotiv ist Rassismus. Die Polizei dagegen erfasste im Jahr 2015 insgesamt 143 rechte Gewaltdelikte und damit nicht einmal die Hälfte der Angriffe, die von der Zivilgesellschaft gezählt wurden. Die offizielle Statistik muss endlich das reale Ausmaß rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer und homophober Gewalt abbilden. Nur so kann die Öffentlichkeit sensibilisiert werden. Diese Zahlen müssen für uns ein Weckruf im Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung sein. Die rechte Hetze von AfD, Pegida und Co schürt Hass in der Gesellschaft und ist der Nährboden für Gewalt. Neonazis und Rassisten organisieren und radikalisieren sich zunehmend – auch in Berlin. Nachdem die Zahlen gewaltbereiter Rechtsextremisten jahrelang abgenommen hatten, wächst das Potenzial militanter Neonazis in Berlin wieder. Die Behörden müssen rechtsextreme Gewalt endlich ernst nehmen, die Opfer besser schützen und die Zivilgesellschaft weiter stärken! Wir setzen uns für einen toleranten
Bezirk und bunte Kieze ein. Wir müssen unsere offene und solidarische Gesellschaft verteidigen. Rechte Gewalt hat keinen Platz in Berlin, Friedrichshain-Kreuzberg oder anderswo.

 

 

Die gesamte Ausgabe des "Stachel" finden Sier hier.